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Neun Firmen ausgezeichnet familienfreundlich

Geht es in den Firmen in OWL darum, wie sich Beruf und Familie unter einen Hut bekommen lässt, rangiert diese Frage laut einer IHK-Umfrage hinter Ausbildung, Weiterbildung und Mitarbeiterbindung auf Rang vier der Prioritätenliste. Nur, denn in den Reden zur Verleihung der Auszeichnung „Familienfreundliches Unter-nehmen“ wird diese Thematik am Montagnachmittag als ganz entscheidend gewertet. „Die Familie ist die Säule der Gesellschaft“, sagt beispielsweise Ornamin-Chef Dr. Holger von der Emde. Nur wer das begriffen habe, gehe mit seinem Betrieb auf einem erfolgversprechenden Weg.

Neben Ornamin werden in der Feierstunde auch die Unternehmen Melitta, Edeka, Harting, Betzemeier, Meyer-Wagenfeld, Mittwald sowie die LWL-Maßregelvollzugsklinik Schloss Haldem und das Seniorenzent-rum Bethel von der Initiative „Ausgezeichnet Familienfreundlich“ geehrt. Die steht unter der Federführung der IHK, die gemeinsam mit dem Kreis, Vertretern aus Wirtschaft und Verwaltung sowie mit Arbeitnehmern und Eltern für eine familienfreundliche Personalpolitik wirbt.

„Vieles ist vom Gesetzgeber bereits auf den Weg gebracht worden“, sagt IHK-Referatsleiterin Dr. Claudia Auinger. Vor den rund 50 geladenen Gästen macht sie allerdings auch deutlich, dass es in der Sache noch „Luft nach oben“ gibt. Die Auszeichnung soll die Betriebe dazu motivieren, sich in dieser Hinsicht weiter zu positionieren.
Die Jury würdigt dann auch nur das, was die Unternehmen zusätzlich zu den gesetzlichen Bestimmungen machen. Es geht ihr um die Nachhaltigkeit. „Und darum, was in den Firmen individuell geleistet werden kann“, sagt Moderatorin Angela Rehorst. Gezeigt habe sich unter anderem, dass kleine und große Unter-nehmen auf ihre Weise einiges in Gang setzen können. Oft gehöre nicht einmal ein hoher Aufwand dazu, um ein Stückchen weiter familienfreundlich zu werden. „Und viel Geld muss das auch nicht zwangsläufig kosten“, sagt sie.

Entscheidend ist aber, sich auf neue Arbeitsmodelle überhaupt einzulassen. Das ist im Preußen-Museum in allen Wortbeiträgen zu hören. So sei es beispielsweise erforderlich, sich von der Stechuhr oder nur scheinbar sinnvollen Tugenden wie absolute Pünktlichkeit zu verabschieden. „Bei uns sagt niemand etwas, wenn ich mal eine halbe Stunde später kommen kann“, sagt Betzemeier-Mitarbeiterin Katharina Biermann in ihrer Präsentation. Jeder, der Familie habe, wisse, dass urplötzlich mal etwas dazwischenkommen kann. Das werde in ihrer Firma akzeptiert und respektiert. „Und die Arbeit wird ja dann trotzdem geleistet.“

Es fällt auch der Begriff der „Vertrauensarbeitszeit“ und gesagt wird auch, dass man den Mitarbeitern ein Zuhause geben soll. Von hoher Flexibilität ist auch die Rede. Die werde zwar immer wieder gefordert, aber noch viel zu selten gelebt. Man kommt auf das Homeoffice zu sprechen, auf das die Beschäftigten zurück-greifen können und die Botschaft wird klar: Mitarbeiter sollen möglichst frei von privaten Sorgen arbeiten können.

„Diese Modelle dienen auch der Mitarbeitermotivation“, sagt IHK-Geschäftsführer Karl-Ernst Hunting. Gera-de in Zeiten des Fachkräftemangels sei es wichtig, Elternteilen optimale Bedingungen zur Berufsausübung öder Möglichkeiten zum raschen Wiedereinstieg zu bieten. Die Attraktivität einer Firma zeichne sich auch durch ihre Familienfreundlichkeit aus. Das sei für junge Menschen oft ein entscheidendes Kriterium, sich für eine bestimmte Firma zu entscheiden. An die Adresse der Unternehmensvertreter richtet er einen Wunsch: „Bleiben Sie in der Sache bitte am Ball!“

http://www.mt.de/lokales/minden/20450820_Neun-Firmen-fuer-Familienfreundlichkeit-ausgezeichnet.html